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Brexit

Großbritannien und Europa: Der lange Weg zurück

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Wes Streetings Aufruf an Großbritannien, der Europäischen Union wieder beizutreten, und Andy Burnhams vorsichtigere, aber dennoch wohlwollende Äußerungen signalisieren etwas Wichtiges: Die Frage der EU-Mitgliedschaft ist in der etablierten Politik kein Tabu mehr., schreibt Edward McMillan-Scott, ehemaliger britischer Europaabgeordneter.

Ein Jahrzehnt nach dem Brexit-Votum hat sich die Argumentation verlagert von ob Großbritannien könnte zurückkehren wie– und zu welchem ​​Preis.

Die Argumente für einen Wiedereintritt sind auf den ersten Blick vor allem wirtschaftlicher Natur. Die meisten gängigen Analysen legen nahe, dass der Austritt aus der EU den Handel und die langfristige Produktivität verringert hat, hauptsächlich durch erhöhte Handelshemmnisse mit unserem größten Markt. Das Office for Budget Responsibility (OBR) geht beispielsweise davon aus, dass Exporte und Importe langfristig um etwa 15 % niedriger ausfallen werden, als wenn Großbritannien in der EU geblieben wäre, und dass die Produktivität um etwa 4 % sinken wird. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) bringt den Brexit mit einer schwächeren Handelsleistung und Arbeitskräftemangel in Verbindung. 

Das trägt dazu bei, Streetings Argument zu erklären, dass der Brexit Großbritannien „weniger wohlhabend, weniger mächtig und weniger kontrollierbar“ gemacht hat. Ein Wiedereintritt könnte den reibungslosen Handel mit einem Markt von fast einer halben Milliarde Konsumenten wiederherstellen, die Investitionsströme verbessern und die Lieferketten stabilisieren – allesamt bekannte Vorteile der Teilnahme am Binnenmarkt. 

Doch die Wirtschaftslage ist nur die halbe Wahrheit. Das Kernversprechen des Brexit war Souveränität: die Möglichkeit, von EU-Regeln abzuweichen, Migration zu steuern und unabhängige Handelsabkommen abzuschließen. Einige dieser Freiheiten sind real, auch wenn ihr wirtschaftlicher Nutzen weiterhin umstritten ist. Ein Wiedereintritt würde daher eine politische Auseinandersetzung erfordern – eine, die über technokratische Argumente zum Thema Wachstum hinausgeht.

Aktuelle Umfragen von YouGov zur Frage „Wie geht die Regierung in Großbritannien mit dem Thema Brexit um?“ ergaben, dass 16 Prozent mit „Weiß nicht“ antworteten, 23 Prozent die Situation als „Gut“ einstuften, aber ganze 60 Prozent mit „Schlecht“ – ein Rekordwert. 

Selbst mit innenpolitischer Unterstützung wäre der Weg zur Wiederaufnahme weder schnell noch einfach. Großbritannien müsste einen Antrag nach Artikel 49, dem regulären Beitrittsverfahren, stellen und die politischen und wirtschaftlichen Kriterien der EU erfüllen. Entscheidend ist, dass es nicht zu den alten Bedingungen wieder beitreten würde. Die EU hat klargestellt, dass zurückkehrende Mitgliedstaaten mit denselben Regeln wie alle anderen rechnen müssen, ohne die Ausnahmeregelungen, die Großbritannien einst genoss – was die Möglichkeit von Verpflichtungen gegenüber dem Euro oder einer tieferen Integration eröffnet. 

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Wie groß ist also das Interesse der EU? Die Antwort lautet: grundsätzlich offen, aber nicht verzweifelt. Europäische Staats- und Regierungschefs haben signalisiert, dass Großbritannien prinzipiell willkommen wäre, allerdings nur zu Standardbedingungen. Dies spiegelt den Wunsch wider, die Integrität des Staatenbundes zu wahren. Es besteht guter Wille – aber wenig Bereitschaft, maßgeschneiderte britische Ausnahmeregelungen wieder einzuführen. 

In der Praxis dürfte der Weg zurück daher am ehesten schrittweise erfolgen. Eine engere Angleichung – etwa bei Handelsstandards, Sicherheit oder der Mobilität junger Menschen – könnte den Anfang machen, um Vertrauen aufzubauen und konkrete Erfolge aufzuzeigen. Die Vollmitgliedschaft, falls sie überhaupt erreicht wird, wäre der Endpunkt eines langen politischen Prozesses und keine plötzliche Kehrtwende.

Streetings Intervention dient vorerst als Mahnung: Der Brexit mag als juristische Tatsache geklärt sein, aber als politische Frage ist er noch lange nicht vorbei.

* Edward McMillan-Scott war von 1984 bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments und der erste unabhängige Vizepräsident des Europäischen Parlaments. 

Er ist seit 2014 Schirmherr der Europäischen Bewegung UK und Vorstandsmitglied der Vereinigung ehemaliger Europaabgeordneter.

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Gastbeitrag - Meinung

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