Roma
Roma-Aktivisten begrüßen „neues Bekenntnis“ zur Inklusion
Die Regierungen des Westbalkans und Deutschland haben sich zu einem Arbeitsplan für als „schutzbedürftig“ eingestufte Gruppen wie die Roma verpflichtet.
Sie haben die Roma offiziell zur Zielgruppe aktiver Arbeitsmarktmaßnahmen erklärt.
Die Roma-Stiftung für Europa, deren enge Zusammenarbeit mit der montenegrinischen Regierung die Einbeziehung ermöglichte, begrüßte diesen Schritt und rief die teilnehmenden Regierungen nun dazu auf, „von der Verpflichtung zur finanzierten Umsetzung überzugehen“.
Das Ministertreffen am Montag (11. Mai) war das erste Mal, dass sich die Arbeitsminister der sechs Westbalkanstaaten im Rahmen des Berliner Prozesses versammelten, einer Plattform für die hochrangige Zusammenarbeit zwischen den Westbalkanstaaten und europäischen Partnern zur Unterstützung des EU-Integrationsweges der Region.
Der Arbeitsplan umfasst zehn Kooperationsbereiche und läuft bis Mai 2028.
Mit ihrer Annahme vollzieht sich im Berliner Prozess eine Verlagerung von politischen Erklärungen hin zu sektoralen Verpflichtungen – die Zuständigkeit liegt nun direkt bei den Fachministerien.
Die Vereinbarung zur Beschäftigung von Roma verpflichtet die Regierungen zum Austausch bewährter Verfahren bei Beschäftigungsprogrammen für gefährdete Gruppen, wobei Roma als nationale Minderheit ausdrücklich neben Frauen, älteren Arbeitnehmern und Menschen mit Behinderungen genannt werden.
Zeljko Jovanovic, Präsident der Roma Foundation for Europe, kommentierte: „Die wirtschaftliche Argumentation ist eindeutig: Die Schließung der Beschäftigungslücke der Roma auf dem Westbalkan würde in den sechs Ländern jährliche Produktivitätssteigerungen zwischen 680 Millionen und 2.08 Milliarden Euro generieren, mit fiskalischen Erträgen – Steuern und reduzierter Sozialhilfe – von 139 Millionen bis 481 Millionen Euro jährlich.“
„Die Region kann es sich nicht leisten, diese Option ungenutzt zu lassen“, sagte Jovanovic.
Die Volkswirtschaften des westlichen Balkans, darunter Albanien, das als aussichtsreicher Kandidat für einen EU-Beitritt bis 2030 gilt, sehen sich mit zunehmendem Arbeitskräftemangel und einer alternden Belegschaft konfrontiert.
Gleichzeitig befinden sich 56 Prozent der Roma im Alter von 15 bis 24 Jahren weder in Ausbildung noch in Beschäftigung oder Weiterbildung.
Roma sind bereits Staatsbürger, sprechen bereits die lokalen Sprachen und sind in den lokalen Gemeinschaften verwurzelt.
Die Aktivierung dieser Arbeitskräfte ist keine Frage der Wohltätigkeit – sie ist eine Voraussetzung für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Region und ihren Integrationsweg in die EU.
Der Berliner Prozessarbeitsplan behandelt es erstmals auch so.
Um die Beschäftigungslücke der Roma auf dem Westbalkan zu schließen, müssen rund 66,000 formelle Arbeitsplätze geschaffen werden – eine Zahl, die die Regierungen letztes Jahr auf der Ministerkonferenz in Tirana anerkannten. Der Arbeitsplan bildet den Rahmen. Finanzierte, aktive Arbeitsmarktprogramme sind der nächste Schritt.
Das Ministertreffen findet weniger als eine Woche vor dem Tag des Roma-Widerstands am 16. Mai statt – dem Tag, an dem Roma-Gemeinschaften in ganz Europa des bewaffneten Aufstands gegen die Deportation in Auschwitz-Birkenau im Jahr 1944 gedenken. Der Zeitpunkt erinnert daran, dass die Roma nicht nur eine von historischer Verfolgung geprägte Gemeinschaft sind, sondern auch eine aktive Kraft in Europas wirtschaftlicher und politischer Zukunft.
Jovanovic fügte hinzu: „Zum ersten Mal haben die Arbeitsminister des Westbalkans die Beschäftigung der Roma auf dieselbe Stufe gestellt wie Qualifikationen, sozialen Dialog und Arbeitsrechte, wo sie hingehören.“
„Dies ist keine symbolische Geste – es ist eine formelle Regierungsverpflichtung im Rahmen eines Abkommens, das direkt in den EU-Beitritt mündet. Die Region braucht diese Arbeitskräfte.“
„Nun müssen die Regierungen die Programme finanzieren, um dieses Ziel zu erreichen.“
Die Ergebnisse des Treffens spiegeln die Inhalte des Arbeitsplans wider: Roma werden als Zielgruppe für aktive Arbeitsmarktmaßnahmen benannt. Dies wird als Zeichen dafür gewertet, dass der politische Wille den wirtschaftlichen Erkenntnissen gerecht wird. Der nächste Schritt ist die finanzierte Umsetzung – beginnend mit Programmen, die über befristete öffentliche Arbeiten hinausgehen und Roma-Gemeinschaften nachhaltige Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.
Jovanovic: „Die Regierungen haben die technischen Zusagen gemacht; die politischen Schlussfolgerungen sollten dies widerspiegeln. Wir fordern die Teilnehmer des Berliner Prozesses auf, diese Lücke zu schließen.“
Die Roma Foundation for Europe ist eine in Brüssel ansässige Stiftung, die sich für die Stärkung der Handlungsfähigkeit der Roma und den Aufbau eines widerstandsfähigen Europas einsetzt.
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