China-EU
Trump-Xi-Gipfel: Europa beobachtet, wie Washington und Peking die Spielregeln neu ausrichten.
Der Gipfel von Donald Trump mit Präsident Xi Jinping in Peking endete mit von beiden Seiten beanspruchten Erfolgen – doch Europa sollte vor dem Feiern vorsichtig sein.
Nach zweitägigen Gesprächen bezeichnete Trump den Besuch als „großartig“ und erklärte, die beiden Staatschefs hätten „fantastische Handelsabkommen“ erzielt. Peking wiederum stilisierte den Gipfel zum Beginn einer neuen Phase „konstruktiver strategischer Stabilität“ zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt.
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Eine entspanntere Beziehung zwischen den USA und China könnte die unmittelbaren globalen Wirtschaftsrisiken verringern. Sie könnte den Druck auf Lieferketten, Energiemärkte und das Vertrauen der Investoren mindern. Für Europa, das bereits unter dem Krieg in der Ukraine, der Instabilität im Nahen Osten und einer schwachen industriellen Wettbewerbsfähigkeit leidet, ist jede Entspannung der Großmachtspannungen willkommen.
Der Gipfel birgt aber auch eine Warnung für Brüssel. Sollten Washington und Peking nun in eine Phase direkter, transaktionsorientierter Verhandlungen eintreten, riskiert Europa, außen vor zu bleiben, während Entscheidungen, die seinen Handel, seine Sicherheit und seine industrielle Zukunft betreffen, andernorts getroffen werden.
Die deutlichste kurzfristige Auswirkung ist wirtschaftlicher Natur.
Trump hat angedeutet, dass China seine Käufe von US-Waren, darunter Energie- und Agrarprodukte, erhöhen wird. Sollten diese Zusagen umgesetzt werden, könnten amerikanische Exporteure als Erste profitieren. Europäische Unternehmen werden wissen wollen, ob China Washington in Sektoren, in denen die EU ebenfalls seit Langem einen besseren Marktzugang anstrebt, eine Vorzugsbehandlung gewährt.
Das andere Risiko ist die Umleitung.
Sollten sich die Spannungen zwischen den USA und China entspannen, könnte Europa von größerer globaler Stabilität profitieren. Falls sich die versprochenen Abkommen jedoch als vage erweisen oder scheitern, könnte erneuter Zolldruck chinesische Exporte wieder in Richtung des europäischen Marktes lenken. EU-Hersteller von Elektrofahrzeugen, Batterien, Solartechnik, Stahl und Hightech-Industriegütern würden die Auswirkungen als Erste zu spüren bekommen.
Für die EU unterstreicht dies die Notwendigkeit einer stärkeren Handelsverteidigungspolitik – nicht Protektionismus um seiner selbst willen, sondern eine glaubwürdige Antwort auf unfaire Subventionen, Dumping und strategische Abhängigkeit.
Das heikelste Thema bleibt Taiwan.
Xi warnte Berichten zufolge, Taiwan sei die wichtigste Frage in den Beziehungen zwischen den USA und China, und ein falscher Umgang damit könne zu Zusammenstößen oder einem Konflikt führen. US-Beamte beteuerten im Anschluss, Washingtons Taiwan-Politik habe sich nicht geändert. Doch die Außenwirkung des Gipfels wird die Verbündeten dennoch beunruhigen: Trumps Diplomatie ist persönlich, transaktionsorientiert und oft unberechenbar.
Für Europa wäre eine Taiwan-Krise kein fernes asiatisches Problem. Sie würde die Halbleiterversorgung, die Seewege, die globale Finanzstabilität und die gesamte internationale Ordnung, von der der europäische Wohlstand abhängt, gefährden.
Der Nahe Osten war ein weiteres wichtiges Thema.
Trump erklärte, Washington und Peking teilten ähnliche Ansichten zum Iran und zur Notwendigkeit, die Straße von Hormus offenzuhalten. Dies ist unmittelbar relevant für Europa, wo die Energiesicherheit weiterhin fragil ist. Nutzt China seinen Einfluss auf Teheran, um eine Eskalation zu verhindern, profitiert Europa. Sollte Pekings Rolle jedoch zunehmen, während die EU eine untergeordnete Rolle spielt, erscheint Brüssel erneut als Kostenträger und nicht als Gestalter der Ergebnisse.
Der Gipfel verdeutlichte auch, was fehlte: Menschenrechte, Klimakooperation und demokratische Werte fanden kaum Beachtung. Das stellt Europa vor ein Dilemma. Die EU kann nicht einfach Washingtons Ansatz kopieren, wenn dieser sich zu sehr auf Transaktionen konzentriert. Europas Glaubwürdigkeit beruht zum Teil darauf, Regeln, Transparenz und Rechte zu verteidigen – selbst wenn wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel stehen.
Die Lehre aus Peking
Es geht also nicht darum, dass Europa sich zwischen Amerika und China entscheiden muss. Vielmehr muss Europa strategisch fähiger werden, mit beiden umzugehen.
Eine stabilere Beziehung zwischen den USA und China wäre eine gute Nachricht. Ein Abkommen zwischen den USA und China, das über Europas Kopf hinweg geschlossen wird, wäre es jedoch nicht. Brüssel muss mit Einigkeit, industrieller Stärke und diplomatischem Selbstvertrauen reagieren.
Der Gipfel zwischen Trump und Xi mag die Spannungen etwas gemildert haben. Die Risiken sind dadurch aber nicht beseitigt. Für Europa ist die Botschaft klar: In einer Welt der Großmachtabkommen muss die EU mit am Verhandlungstisch sitzen – und nicht draußen warten.
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