Europäische Kommission
Der zivilgesellschaftliche Beirat der EU plädiert für einen Ansatz nach dem Motto „Weniger Schaden, weniger Steuern“ bei der Tabaksteuerreform.
Die Kommission überarbeitet Regeln, die Arbeitsplätze, das öffentliche Gesundheitswesen und die Steuereinnahmen in der gesamten EU betreffen. Ein wichtiges EU-Beratungsgremium vertritt nun dasselbe fiskalpolitische Argument, das Ökonomen seit Jahren vertreten: Besteuerung des Risikos, nicht des Produkts.
Die Tabakbesteuerung in Europa wird erstmals seit über einem Jahrzehnt reformiert, und die Tragweite ist weitreichender, als es die Fachsprache der Verbrauchsteuerrichtlinien vermuten lässt. Gelingt die Reform, modernisiert sie ein Gesetz, das mit den Marktentwicklungen nicht Schritt gehalten hat. Schlecht umgesetzt, treibt sie Konsumenten in den Schwarzmarkt, schwächt die legale Tabakindustrie und kostet die Mitgliedstaaten die Einnahmen, die sie eigentlich schützen wollten.
Der Vorschlag der Kommission zielt darauf ab, den Anwendungsbereich der Richtlinie auf neuere Produkte wie Tabakerhitzer, E-Zigaretten und Nikotinbeutel auszudehnen, die EU-weiten Mindeststeuersätze anzuheben und die Kontrollen von Rohtabak zu verschärfen, um den illegalen Handel zu bekämpfen. Für den Inkrafttreten der Richtlinie ist die Einstimmigkeit des Rates erforderlich.
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA), das offizielle Beratungsgremium der EU, das die Zivilgesellschaft, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertritt, hat eine formelle Meinung Am 18. Februar wurde ein Dokument veröffentlicht, das darlegt, wie ein pragmatischer Ansatz aussehen sollte. Der EWSA unterstützt grundsätzlich die Richtung der Reform, mahnt jedoch zur Vorsicht bei der Umsetzung. Neben der Vermeidung übermäßiger Steuererhöhungen steht der Grundsatz der risikogerechten Besteuerung im Mittelpunkt der Empfehlungen des Ausschusses.
Die Idee dahinter ist, dass Produkte mit geringeren Gesundheitsrisiken (E-Zigaretten, Nikotinbeutel und Tabakerhitzer) als herkömmliche Zigaretten nicht gleich hoch besteuert werden sollten. Der Ausschuss orientierte sich dabei am Prinzip „Weniger Schaden, weniger Steuer“ und den Zielen des europäischen Krebsbekämpfungsplans.
Die Stellungnahme des EWSA hob insbesondere das Risiko einer Überbesteuerung hervor. Sie warnte ausdrücklich vor abrupten oder übermäßigen Erhöhungen der Verbrauchsteuern, da diese den illegalen Handel ankurbeln, die Staatseinnahmen schmälern und paradoxerweise die öffentliche Gesundheit beeinträchtigen könnten.
Diese Besorgnis ist nicht neu: In Mitgliedstaaten mit besonders hohen Tabaksteuern steigt der Anteil des illegalen Tabakkonsums stark an. In Frankreich wird geschätzt, dass illegale Zigaretten im Jahr 2024 fast 40 % des Gesamtkonsums ausmachen werden.
Der EWSA forderte hinsichtlich der Produktdefinitionen mehr Rechtssicherheit und eine Harmonisierung der Kategorien in den Mitgliedstaaten. Insbesondere sollten erhitzte Tabakerzeugnisse explizit definiert und klar von Tabakerzeugnissen abgegrenzt werden, um eine effektive Durchsetzung der Vorschriften zu unterstützen und den illegalen Handel zu verhindern. Die Vertreter der EU-Zivilgesellschaft und -Arbeitsorganisationen warnten davor, dass uneinheitliche nationale Definitionen zu unterschiedlichen Steuersystemen und administrativen Schwierigkeiten für Regulierungsbehörden und Unternehmen geführt haben.
Der EWSA betonte, dass die Verwendung delegierter Rechtsakte durch die Kommission streng auf technische Inflationsanpassungen beschränkt sein sollte, im Einklang mit den Grundsätzen der Subsidiarität und der fiskalischen Souveränität der Mitgliedstaaten.
Über die steuerlichen Aspekte hinaus thematisierte der EWSA die Beschäftigungslage. In seiner Stellungnahme fordert er eine umfassende Erfassung der bestehenden Arbeitsplätze und Qualifikationen im Tabaksektor sowie mittel- und langfristige Folgenabschätzungen. Dies betrifft ein breites Spektrum, vom Tabakanbau in Polen über Tabakfabriken mit Heiztechnologie in Italien bis hin zur Softwareentwicklung für E-Zigaretten in Portugal: ein klares Signal des Ausschusses, dass er die Reform als strukturelles wirtschaftliches Problem und nicht ausschließlich als gesundheitspolitisches betrachtet.
Die Verhandlungen im Sicherheitsrat dauern an. Ein erster Kompromissvorschlag wurde unter dänischer Präsidentschaft im Dezember 2025 vorgelegt, und Branchenexperten gehen davon aus, dass eine Entscheidung noch vor dem Ende der zyprischen Präsidentschaft im Juni dieses Jahres fallen wird.
Da Einstimmigkeit erforderlich ist, verleiht die Stellungnahme des EWSA, die Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die Zivilgesellschaft vertritt, den Forderungen nach einer Reform, die schrittweise, evidenzbasiert und auf die unbeabsichtigten Folgen einer unpräzisen Steuergestaltung bedacht ist, institutionelles Gewicht.
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