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Politik

Manipulation der politischen öffentlichen Meinung unter jungen Erwachsenen

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Soziale Medien haben die Art und Weise, wie junge Menschen interagieren, lernen und ihre Identität entwickeln, grundlegend verändert. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass süchtig machende Plattformfunktionen, manipulative Algorithmen und auf maximale Nutzerinteraktion ausgerichtete Designs die psychische Gesundheit, die Autonomie und die Entwicklung, insbesondere von Jugendlichen, negativ beeinflussen können.

Sieben Empfehlungen, um soziale Medien demokratiefreundlicher zu gestalten

Heute wurde eine neue Studie mit dem Titel „Algorithmen und Demokratie – Wie soziale Medien die Weltanschauung junger Europäer prägen“ von der hoch angesehenen Denkfabrik veröffentlicht. Finnischer Innovationsfonds SitraDie Studie wurde in drei EU-Mitgliedstaaten durchgeführt: Finnland, Frankreich und Rumänien.

Dem Bericht zufolge priorisieren die Algorithmen von TikTok, Instagram und X Memes, Witze und emotional aufgeladene politische Beiträge. Wenn diese Art von Inhalten dominiert, untergräbt dies eine konstruktive gesellschaftliche Debatte. Die Studie bietet sieben Empfehlungen, um soziale Medien demokratiefreundlicher zu gestalten.

Algorithmen sozialer Medien prägen das Informationsumfeld junger Europäer auf eine Weise, die diese weder erkennen noch kontrollieren können. Dadurch werden sie einem verzerrten, emotional aufgeladenen und reißerischen politischen Informationsumfeld ausgesetzt, was die demokratische Teilhabe schwächen kann.

Die Studie zeigt außerdem, dass die Hälfte der jungen Erwachsenen in Europa Enttäuschung, Angst, Wut oder Traurigkeit empfindet, wenn sie in sozialen Medien auf politische und gesellschaftliche Diskussionen stoßen. Das Ergebnis war in allen untersuchten Ländern – Finnland, Frankreich und Rumänien – ähnlich. Soziale Medien haben sich im digitalen Zeitalter rasant zu zentralen Informationsquellen und wichtigen Foren für den öffentlichen Diskurs entwickelt.

„Plattformen sind jedoch keine neutralen Informationsvermittler. Mithilfe undurchsichtiger Algorithmen lenken sie die öffentliche Debatte, das Verhalten und die Emotionen der Menschen“, sagt Kristo Lehtonen, Direktor für internationale Programme bei Sitra.

Manipulative Algorithmen

Die Ergebnisse deuten auch auf den fortschreitenden Qualitätsverfall sozialer Medien hin, der mitunter als „Verrohung“ bezeichnet wird, da Plattformen ihren Fokus von der Nutzererfahrung auf die Maximierung von Nutzerinteraktion und Monetarisierung verlagern. Ganze 67 Prozent aller politischen Inhalte, denen die Avatare begegneten, waren meinungsbasiert, unterhaltungsorientiert oder nicht überprüfbar. Viele dieser Inhalte waren reißerisch, polarisierend und propagierten häufig extremistische Ansichten. Beispiele hierfür waren KI-generierte Videos von Gorillas, die frauenfeindliche und fremdenfeindliche Witze erzählten, sowie Memes, die die Nazi-Ideologie unterstützten.

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In einem Interview mit EU Reporter Ilkka RäsänenDer Projektleiter des Projekts „Algorithmen und Demokratie“ und Leiter der EU-Abteilung bei Sitra erklärte: „Solche Inhalte verstoßen nicht gegen die Plattformregeln und können nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Wenn diese Art von politischen Inhalten jedoch in den sozialen Medien dominant wird, schafft dies ein Umfeld, in dem eine konstruktive gesellschaftliche Diskussion schwierig ist.“

Die Stärkung der digitalen Informationskompetenz sei von größter Bedeutung, fügte er hinzu. „Regierungen und Institutionen, die in verschiedenen Ländern für die Lehrpläne verantwortlich sind, sollten sicherstellen, dass digitale Informationskompetenz altersgerecht in die Lehrpläne integriert wird. Diese Bemühungen müssen über die Vermittlung technischer Fähigkeiten hinausgehen und die Bürgerinnen und Bürger mit kritischem Denkvermögen ausstatten. Die EU sollte die Finanzierung digitaler Informationskompetenz durch Programme wie Horizont Europa, Erasmus+ und CERV erhöhen, die sich an Bildungseinrichtungen, Jugendorganisationen, Bibliotheken und Faktencheck-Agenturen richten, um hochwertige Programme zur Förderung digitaler Informations- und KI-Kompetenz zu unterstützen.“

Die Anhebung des Mindestalters für den Zugang zu sozialen Medien ist ebenfalls eine zentrale Empfehlung des Sitra-Berichts. „Angesichts der Tatsache, dass junge Europäer durchschnittlich mehr als fünf Stunden täglich in sozialen Medien verbringen und allgemein anerkannt ist, dass diese Nutzungsdauer negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben kann, ist es an der Zeit, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Wir fordern Mindestalter für den uneingeschränkten Zugang zu sozialen Medien. Unsere Jugend sollte vor den süchtig machenden Funktionen sozialer Medien wie endlosem Scrollen, personalisierten Feeds auf Basis von Profilen, automatischen Benachrichtigungen usw. geschützt werden. Die Plattformen wären verpflichtet, sichere und datenschutzkonforme Altersverifizierungsmethoden einzuführen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat ein Expertengremium zu diesem Thema einberufen, und es wird interessant sein zu sehen, welche Empfehlungen dieses Gremium aussprechen wird“, erklärte Herr Rasanen.

Die Empfehlungen

1. Gemäß den Anforderungen des Digital Services Act (DSA) sollten Plattformen die wichtigsten Ranking-Parameter in einfacher Sprache offenlegen, anpassbare Einstellungen anbieten und eine Option für einen Feed ohne Profiling bereitstellen.

2. Die EU sollte eine unabhängige, langfristige systemische Risikoprüfung gewährleisten. Insbesondere ist eine kontinuierliche Überwachung erforderlich, um die ideologische Verstärkung, die Konfrontation mit problematischen Inhalten sowie längerfristige emotionale und verhaltensbezogene Auswirkungen zu verfolgen.

3. Die EU sollte sehr große Online-Plattformen (VLOPs) dazu verpflichten, schützende Standardeinstellungen einzuführen, wie z. B. reduziertes Autoplay, klare Inhaltskontrollen und einfache Tools zur Anpassung der Empfehlungseinstellungen.

4. Die demokratische Resilienz muss durch digitale Informationskompetenz und sogenannte Civic-Tech-Plattformen gestärkt werden. Die EU sollte zudem epistemische Rechte in die Rahmenbedingungen der digitalen Governance integrieren und anerkennen, dass Bürgerinnen und Bürger Zugang zu wahrheitsgemäßen Informationen haben und verstehen müssen, wie KI-Systeme, die das öffentliche Leben beeinflussen, entwickelt und eingesetzt werden.

5. Die EU und ihre Mitgliedstaaten sollten die Durchsetzung des DSA und des KI-Gesetzes durch eine enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit koordinieren, eine klare Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von KI-generierten politischen Inhalten vorschreiben und die technischen Kapazitäten aufbauen, um Empfehlungssysteme zu bewerten, algorithmische Risiken zu prüfen und die Einhaltung der Vorschriften durch Plattformen zu verifizieren.

6. Die EU sollte die Mobilität der Nutzer und die digitale Selbstbestimmung stärken, indem sie die Datenportabilität über personenbezogene Daten hinaus erweitert, datenschutzwahrende Standards für die optionale Reputationsportabilität entwickelt und den Schutz vor manipulativer Gestaltung ausdrücklich als demokratisches Recht anerkennt.

7. Die EU und ihre Mitgliedstaaten sollten erwägen, Mindestaltergrenzen für den uneingeschränkten Zugang zu sozialen Medien anzuheben und wirksam durchzusetzen, vorzugsweise durch koordiniertes Vorgehen auf EU-Ebene.

Ein Webinar Was sehen junge Europäer online – und warum ist das für die Demokratie wichtig? Die Veranstaltung findet am Mittwoch, den 11.03.2026 statt. Sie können sich anmelden. werden auf dieser Seite erläutert.

Photo by Adem AY on Unsplash

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