Islam
Friedman-Institut und Trends Group im italienischen Parlament: Bekämpfung der Muslimbruderschaft
Der Aufstieg des politischen Islamismus und die Gefahr, dass ideologische Bewegungen die Instrumente westlicher Demokratien für Ziele missbrauchen könnten, die dem liberalen Pluralismus zuwiderlaufen, stehen erneut im Mittelpunkt der Debatte. Anlass hierfür war die Konferenz „Integration: Auswirkungen der Präsenz der Muslimbruderschaft in Europa“, die von der Abteilung für die Integration ausländischer Gemeinschaften der Lega im Abgeordnetenhaus organisiert und von der ehemaligen Abgeordneten Souad Sbai geleitet wurde. Die Veranstaltung fand in einem der Säle des Parlaments statt, dessen Raum von einem großen, bekannten Gemälde der historischen Seeschlacht von Lepanto dominiert wird.

Moderiert von Daniele Capezzone, dem Direktor der Tageszeitung Die ZeitDas Treffen brachte die TRENDS Global Group zusammen, ein in Abu Dhabi ansässiges Institut unter der Leitung von Dr. Mohammed Abdullah al-Ali. Die Denkfabrik hat einen globalen Index entwickelt, der Gewicht, ideologischen Einfluss und Stärke der Muslimbruderschaft misst und dabei Forschung und digitale Werkzeuge kombiniert. „Die Herausforderung, die der Islamismus für die europäischen Gesellschaften darstellt, beschränkt sich nicht mehr auf die Sicherheit“, erklärte al-Ali, „sondern hat sich zu einer institutionellen und ideologischen Herausforderung entwickelt, die durch Einflussnahme auf Bildungs- und Kulturstrukturen sowie die Zivilgesellschaft wirkt.“ Laut dem CEO von TRENDS basiert die Strategie auf einem schrittweisen Vorgehen und der Nutzung demokratischer Freiheiten, um Projekte zu verfolgen, die mit Pluralismus, gleichberechtigter Staatsbürgerschaft und Rechtsstaatlichkeit unvereinbar sind. Die Forscher von TRENDS präsentierten Analysen zur Entwicklung der Muslimbruderschaft und hoben die Rolle von Netzwerken, Bildungsaktivitäten und digitalen Werkzeugen bei der Verbreitung ideologischer Inhalte hervor, wobei der Fokus insbesondere auf künstlicher Intelligenz lag.
In Italien nahm das Milton Friedman Institute diese Herausforderung im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit der TRENDS Global Group an. Geschäftsführer Alessandro Bertoldi sprach gemeinsam mit Professor Alexandre Del Valle. Bertoldi betonte, wie diese Zusammenarbeit analytische Instrumente nach Italien bringt, die Institutionen und die öffentliche Debatte beim Verständnis des politischen Islamismus unterstützen können. Del Valle erinnerte an den Unterschied zwischen Islam und politischem Islamismus und argumentierte, dass die Muslimbruderschaft eine langfristige Strategie verfolge, die demokratische Instrumente und bestimmte Schwächen des Westens nutze, um ihren Einfluss zu stärken. Laut dem Wissenschaftler werde der Vorwurf der „Islamophobie“ mitunter instrumentalisiert, um die Debatte über den politischen Islamismus zu delegitimieren.
An dem Treffen nahmen auch die leitenden Forscher Hamad al-Hosani und Badriya al-Riyami sowie der Generaldirektor des Friedman-Instituts, Dario Peirone, teil. Peirone, Professor an der Universität Turin, betonte die Notwendigkeit einer besseren akademischen Auseinandersetzung mit diesem Phänomen und merkte an, dass in den juristischen Curricula der Universitäten weiterhin spezifische Kurse zu islamischem Extremismus und der Muslimbruderschaft fehlen.
„Europa steht vor einer Krise der Integrationsmodelle“, erklärte die ehemalige Abgeordnete Souad Sbai. „Wir brauchen Strenge, Daten und weniger Ideologie.“ Schließlich richtete sich der Fokus auf den digitalen Bereich. Die Redner hoben hervor, wie soziale Medien und KI eine zentrale Rolle bei der ideologischen Verbreitung und Konsensbildung unter jungen Menschen spielen, und forderten Investitionen in digitale Prävention und Bildung. Eine Debatte, die an Karl Poppers „Paradoxon der Toleranz“ erinnert: Eine offene Gesellschaft muss die Freiheit verteidigen, darf aber nicht zulassen, dass Toleranz dazu missbraucht wird, die demokratischen Prinzipien zu zerstören, auf denen sie beruht.
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