Kasachstan
Kasachstan und EU stärken ihre Beziehungen beim Gipfeltreffen in Samarkand: Visaerleichterungen, Innovation und strategische Zusammenarbeit auf der Tagesordnung
Beim ersten Gipfeltreffen „Zentralasien – Europäische Union“ in Samarkand kam es zu einem wichtigen bilateralen Treffen zwischen dem kasachischen Präsidenten Kassym-Jomart Tokayev und der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und unterstrich damit die dynamische und vielschichtige Entwicklung in den Beziehungen zwischen der EU und Kasachstan.
Ihr Treffen war geprägt von der Übereinstimmung beider Prioritäten: der Suche der EU nach verlässlichen, rohstoffreichen und strategisch günstig gelegenen Partnern und dem Wunsch Kasachstans, seine wirtschaftliche und geopolitische Ausrichtung in einer sich rasch verändernden Weltordnung zu diversifizieren.
Neue Grenzen erschließen: Von der erweiterten Partnerschaft zu praktischen Ergebnissen
Präsident Tokajew betonte, dass die Erweitertes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (EPCA) Das EPCA bildet weiterhin die rechtliche und diplomatische Grundlage der Beziehungen zwischen der EU und Kasachstan. Das 2015 unterzeichnete und 2020 in Kraft tretende EPCA umfasst 29 Bereiche der Zusammenarbeit – vom Handel bis zur Umweltpolitik – und dient nun als Rahmen für eine gezielte Ausweitung.
Tokajew schlug vor vier strategische Schwerpunktbereiche wo Kasachstan bereit ist, die Zusammenarbeit mit der EU zu intensivieren:
- Energie – darunter traditionelle Kohlenwasserstoffe und kritische Rohstoffe, aber auch ein wachsender Fokus auf grüne Energie und Hydrierung.
- Infrastruktur- und Industrieprojekte – insbesondere mit Europäische Investitionen und Technologietransfers um die industrielle Modernisierung Kasachstans zu unterstützen.
- Transport und Logistik – ein zentrales Thema, mit Schwerpunkt auf Kasachstans einzigartiger Lage entlang der Transkaspische internationale Transportroute (TITR).
- Digitale Innovation, fortschrittliche Technologien und künstliche Intelligenz – Kasachstan strebt eine Integration in die Innovationsökosysteme Europas an, unter anderem durch gemeinsame Forschungs- und digitale Transformationsinitiativen.
- Visavereinfachung: Grenzen und Bürokratie überwinden In einer wichtigen, von beiden Seiten begrüßten Entwicklung bestätigten Tokajew und von der Leyen den Beginn der Verfahren für ein Visaerleichterungsabkommen zwischen Kasachstan und der EU. Für Kasachstan spiegelt dies wachsendes Vertrauen und ein stärkeres Engagement innerhalb der EU wider. Für die EU ist es ein strategischer Schritt zur Förderung von Mobilität, Bildungsaustausch und Geschäftsreisen in einer Region, die oft im Schatten ihrer größeren Nachbarn steht.
Europas strategischer Wendepunkt: Rohstoffe, Seltene Erden und der grüne Wandel
Ein herausragender Moment kam, als Präsidentin von der Leyen gratulierte Kasachstan über die jüngste Entdeckung eines große Lagerstätte seltener ErdenDiese kritischen Mineralien sind für die EU unverzichtbar Green Deal und Digitalisierungsstrategien, die alles von Windturbinen bis hin zu Elektrofahrzeugen und Smartphones antreiben.
Die Anfälligkeit Europas bei der Sicherung dieser Materialien – hervorgehoben durch die wachsende Abhängigkeit von begrenzten globalen Lieferanten – hat sein Streben nach diversifizierte und zuverlässige Quellen. Kasachstan, das über enorme Bodenschätze verfügt und sich in nachhaltige Wertschöpfungsketten integrieren möchte, erweist sich heute als wichtiger Partner.
Die transkaspische Chance: Logistik trifft Geopolitik
Im Einklang mit den Bemühungen Europas, Handelsrouten entschärfen und die übermäßige Abhängigkeit von traditionellen Korridoren, die durch Russland oder konfliktgefährdete Gebiete führen, zu verringern, Transkaspische internationale Transportroute (Mittlerer Korridor) hat sich als Schwerpunkt herauskristallisiert. Diese multimodale Route erstreckt sich von China über Kasachstan, über das Kaspische Meer nach Aserbaidschan, Georgien und nach Europa und bietet eine strategische Alternative für den eurasischen Handel.
Von der Leyen bekräftigte das Interesse der EU daran Investitionen in die Effizienz des Korridors, Sicherheit und Kapazität. Kasachstans zentrale Lage macht es zu einem Dreh- und Angelpunkt dieser neu entstehenden Verkehrsarchitektur.
KI und Digitalisierung: Auf dem Weg zu einer Hightech-Partnerschaft
In einem Schritt, der die wachsenden Ambitionen Kasachstans widerspiegelt, betonte Tokajew digitale Innovation und künstliche Intelligenz als wichtige Säulen des zukünftigen Wirtschaftsmodells des Landes. Mit der EU-Expertise in den Bereichen KI-Governance, Ethik und Technologieeinsatz sehen beide Seiten eine Chance für grenzüberschreitende Forschungs-, Bildungs- und Startup-Ökosysteme aufblühen.
Eine regionale Stimme mit globalen Ambitionen
Die beiden Staatschefs bekräftigten außerdem ihr Engagement für die C5+EU-Dialogplattform, ein multilaterales Format, an dem die EU und die fünf zentralasiatischen Republiken beteiligt sind. Dies spiegelt die zunehmende Anerkennung Zentralasiens durch die EU wider, nicht nur als Transitzone, sondern als strategische Region mit unabhängiger Handlungsfähigkeit, Energieressourcen und Innovationspotenzial.
Sie tauschten sich auch über aktuelle regionale und internationale Themen, einschließlich Sicherheitsdynamik, Zusammenarbeit im Klimawandel und Nahrungsmittelresilienz.
Ein strategischer Wendepunkt
Dieses hochrangige Treffen in Samarkand ist mehr als nur eine diplomatische Formalität – es markiert einen Wendepunkt in Beziehungen zwischen der EU und Kasachstan. Aufgrund gemeinsamer Interessen in den Bereichen Energiesicherheit, technologischer Fortschritt, Handelsdiversifizierung und Mobilität gestalten beide Seiten nun aktiv eine Partnerschaft mit echter wirtschaftlicher und geopolitischer Substanz.
Während Kasachstan seine multilaterale Außenpolitik fortsetzt und die Beziehungen zu Europa, China und Russland ausbalanciert, bieten seine Beziehungen zur EU eine Weg zur Modernisierung, globalen Integration und digitalen Transformation.
Photo by Ozodbek Erkinov on Unsplash
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