Gesundheit
Gefälschte Zigaretten treiben den illegalen Tabakhandel auf den höchsten Stand seit zehn Jahren, behauptet eine neue Studie.
Der Markt für illegale Zigaretten in Europa hat den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht. Laut einer neuen Studie, die in Brüssel vorgestellt wurde, machen gefälschte Produkte mittlerweile den größten Anteil des illegalen Tabakkonsums in der gesamten Europäischen Union aus.
Die Ergebnisse wurden auf einer politischen Veranstaltung vorgestellt, die vom Royal United Services Institute (RUSI) und der Transnational Alliance to Combat Illicit Trade (TRACIT) organisiert wurde. Dort untersuchten Experten aus Strafverfolgungsbehörden, Forschungsorganisationen und der Industrie die wachsenden Verbindungen zwischen illegalem Handel, organisierter Kriminalität, wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit und europäischer Sicherheit.
Laut der Ausgabe 2025 der KPMG-Studie Konsum illegaler Zigaretten und erhitzter Tabakprodukte sowie Anteil des oralen Nikotinkonsums in EuropaIllegale Zigaretten machten im Jahr 2025 10.3 % des gesamten Zigarettenkonsums in der EU aus, was 41.8 Milliarden Zigaretten entsprach. Laut dem Bericht entgingen den Regierungen dadurch Steuereinnahmen in Höhe von rund 16.7 Milliarden Euro.
Die von KPMG LLP im Auftrag von Philip Morris Products SA durchgeführte Studie ist die zwanzigste Ausgabe des Jahresberichts und zeigt, dass der illegale Konsum zum ersten Mal seit 2014 10 % des EU-Marktes überschritten hat.
Fälschungen verdrängen den traditionellen Schmuggel
Das vielleicht auffälligste Ergebnis ist die zunehmende Dominanz gefälschter Zigaretten.
Laut dem Bericht werden im Jahr 2025 schätzungsweise 18.3 Milliarden Zigaretten gefälscht sein, was 44 % des gesamten illegalen Zigarettenkonsums in der EU entspricht. Das Fälschungsaufkommen soll im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 20 % gestiegen sein.
Forscher argumentieren, dass der illegale Tabakmarkt einem Strukturwandel unterliegt. Anstatt sich primär auf die traditionellen Schmuggelrouten von Ost nach West zu verlassen, produzieren kriminelle Organisationen zunehmend gefälschte Zigaretten näher an den Endverbrauchern innerhalb Europas selbst.
Die Studie nennt Frankreich, Belgien und die Niederlande als einige der Länder, die am stärksten von diesem Trend betroffen sind.
Frankreich wies Berichten zufolge den höchsten Anteil illegaler Zigaretten in Europa auf; dort machten illegale Produkte 41.4 % des Zigarettenkonsums aus. In Belgien wurde der Anteil illegaler Zigaretten auf fast 25 % geschätzt, während in den Niederlanden über 22 % verzeichnet wurden.
Außerhalb der EU blieb das Vereinigte Königreich einer der größten in der Studie identifizierten illegalen Märkte.
Sicherheits- und wirtschaftliche Auswirkungen
Die Redner bei der Veranstaltung in Brüssel argumentierten, dass der illegale Handel nicht länger ausschließlich als Steuer- oder Zollproblem betrachtet werden dürfe.
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie sich kriminelle Netzwerke an geopolitische Instabilität, veränderte Handelswege, expandierende Online-Marktplätze und zunehmend komplexe Lieferketten anpassen.
Laut den Teilnehmern untergräbt der illegale Handel die öffentlichen Einnahmen, schwächt legitime Unternehmen und stellt den Verbraucherschutz und die Strafverfolgung vor größere Herausforderungen.
Stefano Betti, stellvertretender Generaldirektor von TRACIT und ehemaliger leitender Rechtsberater bei INTERPOL, hob die zunehmende Raffinesse der organisierten kriminellen Netzwerke hervor, die in den illegalen Handel über verschiedene Sektoren hinweg verwickelt sind.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden auch Erfahrungen aus der Durchsetzungspraxis im Baltikum sowie die Herausforderungen für die Behörden an den östlichen Grenzen der EU erörtert.
Debatte über die Regulierung
Der Bericht und mehrere Redner warfen auch Fragen nach dem Verhältnis zwischen Regulierung und illegalem Handel auf.
Donatas Škarnulis, stellvertretender Kommandant des litauischen staatlichen Grenzschutzdienstes, betonte, dass Litauen mit einer 700 km langen Grenze und Russland und Belarus als Nachbarn viel für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit seiner Außengrenzen tue.
Wir unternehmen viel. Wie die Präsentationen jedoch zeigen, nimmt die Produktion von Produktfälschungen stetig zu. Unsere Bemühungen, dieses Phänomen einzudämmen, reichen nicht immer aus. Eine bessere Harmonisierung von Gesetzen und Verwaltungsverfahren ist notwendig, um unsere Fähigkeit zur Bekämpfung dieses Problems nachhaltig zu stärken, erklärte er. Christos Harpantidis, Leiter Unternehmenskommunikation bei PMI, argumentierte, dass übermäßige Besteuerung und restriktive Produktvorschriften Anreize für Verbraucher schaffen können, sich dem Schwarzmarkt zuzuwenden. Er nannte Länder wie Frankreich, Belgien und die Niederlande als Beispiele, in denen der Konsum illegaler Produkte parallel zu strengeren Regulierungsmaßnahmen zugenommen hat.
Der illegale Handel macht in Frankreich etwa 41 Prozent, in Belgien 25 Prozent und in den Niederlanden 22 Prozent aus. Im vergangenen Jahr wurden höhere Steuern erhoben, strengere Maßnahmen verschärft und zusätzliche Verbote ausgesprochen. Wenn politische Maßnahmen reale Gegebenheiten ignorieren und den gesunden Menschenverstand vermissen lassen, ist es verständlich, dass Verbraucher, die sich die Produkte nicht leisten können, auf illegale Waren zurückgreifen, sagte er.
Es liegt in der Verantwortung der politischen Entscheidungsträger, und das sehen wir in einigen Ländern Europas, die Realität des Marktes, die Dynamik und soweit möglich den Geldfluss sowie die Sicherheitsfragen zu verstehen, Analysen durchzuführen und vernünftige politische Maßnahmen zu entwickeln, fügte er hinzu.
Diese Schlussfolgerungen sind jedoch weiterhin Gegenstand von Debatten.
Öffentliche Gesundheitsorganisationen, darunter Gruppen, die sich mit Tabakkontrolle und der Umsetzung des Rahmenübereinkommens der Weltgesundheitsorganisation zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (WHO FCTC) befassen, argumentieren wiederholt, dass strenge Maßnahmen zur Tabakkontrolle weiterhin wirksam sind, um die Raucherprävalenz zu senken und die öffentliche Gesundheit zu verbessern. Sie warnen zudem davor, dass industriegesponserte Forschung die öffentliche Politik ohne unabhängige Prüfung prägen darf.
Wie schon bei früheren Ausgaben des KPMG-Berichts werden die politischen Entscheidungsträger voraussichtlich sowohl die zugrunde liegenden Daten als auch die weitergehenden politischen Schlussfolgerungen separat prüfen.
Neuer Fokus auf Nikotinprodukte
Zum zweiten Mal in Folge untersuchte die Studie auch illegale Tabakerhitzungsprodukte auf ausgewählten europäischen Märkten.
Der Bericht ergab, dass der Anteil geschmuggelter Tabakerhitzer am gesamten Konsum erhitzter Tabakprodukte etwa 1.2 % betrug und damit deutlich unter dem Niveau herkömmlicher Zigaretten lag. Im Untersuchungszeitraum wurden keine gefälschten Tabakerhitzer festgestellt.
Erstmals untersuchten Forscher auch orale Nikotinprodukte, darunter Nikotinbeutel. Die Studie legt nahe, dass in Ländern, in denen solche Produkte erheblichen Beschränkungen oder Verboten unterliegen, möglicherweise mehr Produkte im Umlauf sind, die nicht legal zum Verkauf zugelassen sind, insbesondere in Belgien, Deutschland und den Niederlanden.
Eine wachsende politische Herausforderung
Obwohl Tabak im Mittelpunkt des Berichts steht, spiegelte die breitere Diskussion in Brüssel die umfassenderen Bedenken hinsichtlich des illegalen Handels in verschiedenen Sektoren der europäischen Wirtschaft wider.
Die Teilnehmer argumentierten, dass organisierte kriminelle Gruppen immer flexibler werden und regulatorische Unterschiede, technologische Veränderungen und geopolitische Störungen ausnutzen, um ihre illegalen Aktivitäten auszuweiten.
Ob die politischen Entscheidungsträger letztendlich eine härtere Durchsetzung der Vorschriften, eine Reform der Regulierungsbehörden, eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit oder eine Kombination aus allen dreien in den Vordergrund stellen, das Ausmaß des in der jüngsten Studie hervorgehobenen illegalen Marktes stellt sicher, dass das Thema wahrscheinlich weiterhin fest auf der europäischen politischen Agenda stehen wird.
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