Der für Beschäftigung und soziale Rechte zuständige Kommissar Nicolas Schmit erklärte: „Ein Arbeitsplatz sollte ein sicherer Ort sein, doch Krebs ist die Ursache für die Hälfte aller arbeitsbedingten Todesfälle. Diese Aktualisierung der Karzinogen- und Mutagenrichtlinie ist einer der ersten Schritte in unserem ehrgeizigen Plan zur Bekämpfung von Krebs. Sie zeigt, dass wir entschlossen sind zu handeln und keine Kompromisse bei der Gesundheit der Arbeitnehmer eingehen. Vor dem Hintergrund der schweren Gesundheitskrise durch COVID-19 werden wir unsere Anstrengungen verstärken, um den Schutz der Arbeitnehmer in Europa zu gewährleisten. Wir werden konkrete Wege prüfen, wie dies im Rahmen des künftigen strategischen Rahmens für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz erreicht werden kann.“
Die Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Stella Kyriakides, erklärte: „Die Verringerung des durch Krebs verursachten Leidens hat für uns Priorität, und Prävention ist dabei entscheidend. Heute unternehmen wir einen wichtigen Schritt, um unsere Arbeitnehmer vor der Belastung durch gefährliche Stoffe am Arbeitsplatz zu schützen und beginnen mit der Arbeit an unserem bevorstehenden europäischen Plan zur Krebsbekämpfung. Mit diesem Plan wollen wir die wichtigsten Krebsrisikofaktoren für alle bekämpfen, Patienten aber auch Schritt für Schritt begleiten und dazu beitragen, das Leben der Betroffenen zu verbessern.“
Drei neue oder überarbeitete Grenzwerte
Die Richtlinie über Karzinogene und Mutagene wird regelmäßig an neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Daten angepasst. Drei frühere Aktualisierungen befassten sich mit der Exposition von Arbeitnehmern gegenüber 26 Chemikalien. Der heutige Vorschlag sieht neue oder überarbeitete Grenzwerte für die Exposition am Arbeitsplatz für folgende Stoffe vor:
- Acrylnitril (neue Grenze);
- Nickelverbindungen (neue Grenze);
- Benzol (Grenzwert nach unten korrigiert).
Vorteile für Arbeitnehmer und Unternehmen
Die Einführung neuer oder überarbeiteter Grenzwerte für die berufliche Exposition von Acrylnitril, Nickelverbindungen und Benzol wird den Arbeitnehmern klare Vorteile bringen. Arbeitsbedingte Fälle von Krebs und anderen schweren Krankheiten werden verhindert, wodurch Gesundheit und Lebensqualität verbessert werden.
Der Vorschlag wird auch den Unternehmen zugute kommen, indem die durch arbeitsbedingte Erkrankungen und Krebs verursachten Kosten wie Abwesenheiten und Versicherungsleistungen gesenkt werden.
Entwicklung des Vorschlags und nächste Schritte
Diese Initiative wurde in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern sowie mit Vertretern von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und EU-Mitgliedsstaaten entwickelt. Auch die Sozialpartner (Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände) wurden im Rahmen einer zweistufigen Konsultation einbezogen.
Der Vorschlag der Kommission wird nun vom Europäischen Parlament und dem Rat verhandelt.
Hintergrund
Die Kommission hat sich verpflichtet, den Kampf gegen Krebs zu intensivieren und wird bis Ende 2020 den europäischen Plan zur Krebsbekämpfung vorlegen. Der Plan wird die Mitgliedstaaten dabei unterstützen, die Prävention, Erkennung, Behandlung und das Management von Krebserkrankungen in der EU zu verbessern und gleichzeitig gesundheitliche Ungleichheiten zwischen und innerhalb der Mitgliedstaaten abzubauen.
In ihrer Mitteilung „Ein starkes soziales Europa für einen gerechten Übergang“Die Kommission hat sich verpflichtet, die Strategie für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz (OSH) zu überprüfen, um unter anderem die Exposition gegenüber gefährlichen Stoffen zu berücksichtigen und so die hohen europäischen Standards für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz aufrechtzuerhalten. Dies steht im Einklang mit der Europäischen Pfeiler der sozialen Grundrechte, die vom Europäischen Parlament, dem Rat und der Kommission gemeinsam auf dem Sozialgipfel für faire Arbeitsplätze und Wachstum am 17. November 2017 proklamiert wurde und das Recht der Arbeitnehmer auf eine gesunde, sichere und angepasste Arbeitsumgebung, einschließlich des Schutzes vor Karzinogenen, verankert.
Eine weitere Verbesserung des Schutzes der Arbeitnehmer vor Berufskrebs ist umso wichtiger, als laut EU-OSHAKrebs ist die erste Ursache für arbeitsbedingte Todesfälle in der EU: 52% der jährlichen beruflichen Todesfälle werden derzeit auf arbeitsbedingte Krebserkrankungen zurückgeführt, verglichen mit 24% auf Kreislauferkrankungen, 22% auf andere Krankheiten und 2% auf Verletzungen.
Diese Initiative ist die vierte Überarbeitung der Richtlinie über Karzinogene und Mutagene. In den letzten Jahren hat die Kommission drei Initiativen zur Änderung dieses Gesetzes vorgeschlagen. Diese drei Initiativen wurden vom Europäischen Parlament und vom Rat in angenommen Dezember 2017, Januar 2019 und Juni 2019, adressiert 26 Substanzen.
Mehr Infos
Vorschlag der Kommission zur vierten Überarbeitung der Richtlinie über Karzinogene und Mutagene
Fragen und Antworten: Krebs bekämpfen: Die Kommission schlägt einen verbesserten Schutz der Arbeitnehmer vor
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