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Stärkung der Durchsetzung der EU-Handelspolitik: Mehr Europa zuerst

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Die neue Geopolitik führt zu einer zunehmenden Verflechtung von nationaler Sicherheit, Verteidigungsinteressen und Wirtschaft, einschließlich Handel und Gewerbe. Die globalen Handelsspannungen haben sich verschärft: Die USA haben ihre Handelspolitik grundlegend umgestaltet und die durchschnittlichen angewandten Zollsätze auf den höchsten Stand seit über einem Jahrhundert getrieben. Das Vorgehen der USA gegenüber Venezuela und Grönland verdeutlicht die Verschmelzung von Außenpolitik und nationalen Wirtschaftsinteressen. Inmitten dieses Klimas eskalierenden Protektionismus und der Konfrontation zwischen Wirtschaftsmächten sieht sich die EU verwundbar und schlecht gerüstet, um sich in das globale Geschehen von Säbelrasseln und strategischem Zwang einzubringen. schreibt Christina Kaul.

Die Europäische Union ist ein regelbasiertes Gebilde. Nur so kann eine Gemeinschaft von 27 Mitgliedstaaten effektiv funktionieren. Ihr größter Erfolg – ​​der Binnenmarkt – basiert auf gemeinsamen Regeln. Ebenso gründet die Außenhandelspolitik der EU auf ihrer Unterstützung eines regelbasierten globalen Handelssystems, was sich in ihrem Bekenntnis zur Welthandelsorganisation (WTO) widerspiegelt.

Europas Wohlstand und Wirtschaft hängen vom internationalen Handel ab. Mario Draghis Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit betont „nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit“ und „offene strategische Autonomie“. Diese Ziele erfordern eine starke, innovationsgetriebene Industrie im Inland, einen voll funktionsfähigen Binnenmarkt sowie den Zugang zu internationalen Märkten. Das eine ist ohne das andere nicht möglich.

Die gegenwärtige Verwirrung im Welthandel ist nicht allein der neuen US-Regierung geschuldet. Tatsächlich hat sich diese neue, fragmentierte Welt in den letzten Jahren schleichend entwickelt: Handelsbarrieren haben zugenommen, Exportbeschränkungen sind seit der Covid-19-Pandemie in Mode gekommen, und das regelbasierte Welthandelssystem ist zunehmend gelähmt.

Die Welt hat sich verändert, und die EU muss ihre wirtschaftlichen Interessen im Ausland selbstbewusster vertreten. Sie kann nicht den gegenwärtigen US-amerikanischen Ansatz zur Handelsverteidigung und deren aggressive Verfolgung nationaler Wirtschaftsinteressen nachahmen. Die EU muss sich weiterhin für ein regelbasiertes internationales Handelssystem einsetzen, aber ihren Gesamtansatz im internationalen Handel überdenken.

Nach Mark Carneys Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos wird viel über die Zusammenarbeit von Mittelmächten zur Stärkung des regelbasierten internationalen Handelssystems diskutiert. Derzeit versuchen die Mittelmächte einzeln, ihre bilateralen Handelsbeziehungen auszubauen und zu diversifizieren. Dies gilt auch für die EU: Die Kommission ist mit dem Abschluss neuer bilateraler Handelsabkommen beschäftigt (siehe Mercosur, Indien und Australien), wobei man argumentieren könnte, dass es einigen dieser Abkommen an Substanz und Konsistenz mangelt. Eine umfassende EU-Handelsstrategie muss jedoch mehr beinhalten.

Da die Kommission die ausschließliche EU-Zuständigkeit für den Handel besitzt, muss sie diese Befugnis in allen Aspekten vollumfänglich ausüben. Ein stärkerer Fokus auf Europa ist erforderlich. Die Durchsetzung von Handelsabkommen gibt besonderen Anlass zur Sorge. Die Bilanz der EU in diesem Bereich ist weiterhin unbefriedigend: Im Jahr 2024 registrierte die Kommission 410 aktive Handelshemmnisse, von denen lediglich 44 beseitigt wurden – weniger als 10 %.1 Rund 65 Prozent der Fälle sind seit über fünf Jahren ungelöst, 27 Prozent sogar seit mehr als einem Jahrzehnt. Dies deutet auf systemische Mängel bei der Durchsetzung von EU-Recht und auf fehlende Ressourcen hin.

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In einem zunehmend polarisierten und politisierten internationalen Handelsumfeld hat die EU ein klares Interesse daran, sowohl ihre Handelspartner als auch ihre industrielle Exportbasis zu diversifizieren. Der Fokus liegt zwar auf dem Abschluss neuer Handelsabkommen, die Diversifizierung der Exporte wurde jedoch noch nicht thematisiert.

Untersuchungen zeigen, dass konzentrierte, strategisch ausgerichtete Sektoren eher Unterstützung durch die EU-Vollzugsbehörde erhalten, während fragmentierten Branchen die institutionelle Unterstützung fehlt, um Maßnahmen auszulösen.2 Bei politisch heiklen Themen, insbesondere im Gesundheitsbereich, führt mangelnder Konsens oft zu Untätigkeit. Die Folge ist eine uneinheitliche Durchsetzungspraxis: Diese uneinheitliche Behandlung untergräbt die Glaubwürdigkeit der EU als Verteidigerin der regelbasierten Ordnung der WTO und lässt ganze Exportbranchen ohne wirksame Rechtsmittel zurück.

Exporteure von Konsumgütern des täglichen Bedarfs (FMCG), einem stark fragmentierten, aber exportorientierten Sektor, sehen sich häufig diskriminierenden ausländischen Anforderungen ausgesetzt, die von der EU deutlich seltener beanstandet werden. De facto erfahren manche Waren und Branchen mehr Aufmerksamkeit bei der Durchsetzung von Handelshemmnissen als andere, was zu einem selektiven Vorgehen bei der Durchsetzung führt. Die Datenbank der Generaldirektion Handel zu Handelshemmnissen spiegelt diese Priorisierung bestimmter Branchen wider. 3.

Symbolisch sensible Produkte verdeutlichen das Problem: Alkohol, insbesondere Spirituosenhersteller, sehen sich in Malaysia, Peru und der Türkei weiterhin diskriminierenden Verbrauchsteuerregelungen ausgesetzt, ohne dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Obwohl bereits ein bevorzugter Marktzugang vereinbart wurde, bestehen die Beschränkungen für EU-Tabakproduktexporte in Mexiko, aber auch in Brasilien, Argentinien und Vietnam weiterhin. Energy-Drinks, bei denen die EU ein wichtiger Produzent ist, haben in vielen Ländern weltweit mit Marktzugangsschwierigkeiten zu kämpfen.

Die EU muss bei der Verteidigung und Förderung ihrer EU-Standards energischer auftreten: Die Stellungnahmen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sollten als explizite Grundlage der EU-Handelspolitik dienen.

Die EU muss ihre Strategie zur Durchsetzung der EU-Handelsrechte deutlich proaktiver und durchsetzungsstärker gestalten – eine Strategie, die die Wahrung europäischer Interessen im Ausland zu einer strategischen Priorität macht. Die Kommission muss ihren Ansatz zur Durchsetzung der EU-Handelsrechte überdenken. Dies erfordert eine ehrliche Bewertung der Mängel bei der Bereitstellung und Verwaltung von Ressourcen. Eine effektive Durchsetzung der Handelsrechte ist nicht nur eine Frage der Fairness im Handel, sondern ein Eckpfeiler der industriellen Wettbewerbsfähigkeit Europas.

1 EU-Kommission (2025). Bericht der Kommission über die Umsetzung und Durchsetzung der EU-Handelspolitik

2 Van Ommeren et al. (2021). Die Europäische Union und die politische Ökonomie der Durchsetzung internationaler Handelsregeln

3 EU (2025). Zugang zu Märkten: Handelshemmnisse

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Gastbeitrag - Meinung

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