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Rat der Wirtschafts- und Finanzminister (ECOFIN)

Haushaltskrise: Die fiskalischen Bruchlinien, die Europas nächstes Jahrzehnt prägen

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Das ECOFIN-Treffen der vergangenen Woche ließ wenig Raum für Optimismus. Die Auseinandersetzung verdeutlichte die Meinungsverschiedenheiten über die „Eigenmittel“ der EU und den ehrgeizigen 2-Billionen-Euro-Haushalt der Kommission für 2028–2034., schreibt Cristian Gherasim.

ECOFINDer Rat für Wirtschaft und Finanzen der EU bringt die für die Koordinierung der Wirtschaftspolitik, der Steuern und der Finanzregulierung zuständigen Minister zusammen. Während die Europäische Kommission die Finanzierung ihrer Vision für die nächsten sieben Jahre vorbereitet, herrscht unter den EU-Mitgliedsstaaten kaum Einigkeit darüber, wie diese am besten umgesetzt werden kann.

Ein Haushalt in der Kritik

Deutschland war das erste Land, das seinen Widerstand äußerte. Finanzminister Lars Klingbeil kritisierte, dass der Mehrjahreshaushalt schlicht zu hoch sei und äußerte Bedenken hinsichtlich der Pläne der Kommission, neue Einnahmen – sogenannte „Eigenmittel“ – aus dem EU-Emissionshandelssystem, einem CO2-Grenzausgleichssystem, Gebühren für Elektroschrott, Tabaksteuern und Unternehmensbeiträgen zu generieren.

Deutschland ist bei weitem nicht das einzige Land, das seine Bedenken über den EU-Haushalt und dessen Steuerpolitik äußert. Finnland lehnte den Plan rundweg ab, die Niederlande bezeichneten ihn als inakzeptabel und Schweden wies jeden Vorschlag für direkte EU-Einnahmen als unnötig zurück. Der schwedische Minister, der alle Vorschläge für direkte Einnahmen ablehnte, sagte unverblümt: „Wir sehen keinen Grund für neue Eigenmittel.“

Auch die Finanzminister Polens, Irlands und Tschechiens konnten sich nicht vorstellen, wie die Strategie der „Eigenmittel“ – die Einnahmequellen durch Steuererhöhungen auf Dinge wie nicht eingesammelten Elektroschrott, Großunternehmen und Tabakprodukte – funktionieren soll.

Selbst Länder, die die EU-Integration unterstützen, äußerten Bedenken hinsichtlich bestimmter Maßnahmen. Rumänien und Bulgarien forderten einen schrittweisen, flexiblen Ansatz für die neuen Tabaksteuern und warnten, dass starke Erhöhungen die Märkte destabilisieren oder den illegalen Handel ankurbeln könnten. Der rumänische Finanzminister Alexandru Nazare bezeichnete die vorgeschlagenen Mindestsätze als überhöht. Rumänien befürwortete in dieser Hinsicht einen schrittweisen und flexiblen Ansatz zum Schutz der Marktstabilität und der Haushaltseinnahmen. Die Bulgarischer Finanzminister Ljudmila Petkowa äußerte Bedenken hinsichtlich der vorgeschlagenen Mindestverbrauchsteuersätze für traditionelle Tabakprodukte und deren Indexierung im Laufe der Zeit. Petkova sagte, dass ihr Land als EU-Außengrenze einem hohen Risiko eines Anstiegs des illegalen Handels mit Tabakprodukten ausgesetzt sei, wenn die Verbrauchsteuersätze erhöht würden.

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Kroatien, Griechenland, Luxemburg, Malta, die Tschechische Republik, die Slowakei und Ungarn protestierten ebenfalls gegen die Anhebung der Mindeststeuersätze auf Tabakprodukte, da sie diese als „zu hoch“ erachteten. Der italienische Finanzminister erklärte, man müsse die Wechselwirkung zwischen der Anhebung der Steuerschwellen und dem illegalen Zigarettenhandel untersuchen. Rom befürchtet einen Anstieg des Schmuggels, während Ungarn, Finnland und Schweden auf eine mögliche Gefährdung von Nischenprodukten wie Zigarillos und Snus hinwiesen. Das Ergebnis: Insgesamt elf Mitgliedstaaten sprachen sich gegen den Vorschlag der Europäischen Kommission aus, die Mindeststeuersätze anzuheben und den Anwendungsbereich der Tabakbesteuerungsrichtlinie auf neue Tabak- und Nikotinprodukte auszuweiten.

Als es um die Frage höherer Steuern auf Elektroschrott ging, um mehr Einnahmen für den Mehrjahreshaushalt zu erzielen, war Italien erneut an der Reihe, sich gegen den Vorschlag auszusprechen und nannte die Methode „nicht überzeugend“.

Gemeinsamkeiten finden

Eines ist sicher: Die EU braucht dringend mehr Konsens. Angesichts eines tobenden Krieges im Nachbarland, der Instabilität im Nahen Osten und einer unberechenbaren Regierung in Washington kann sie sich internen Zwist nicht leisten. Finanzielle Koordinierung, politischer Zusammenhalt und strategische Weitsicht sind unabdingbar.

Warum Konsens wichtig ist

Europa steht an einem Scheideweg. Es strebt nach Aufrüstung, will in den Bereichen Technologie und KI zu den USA und China aufschließen und seine Stimme auf der Weltbühne geltend machen. Ein Großteil des nächsten Mehrjahreshaushalts wird für diese strategischen Prioritäten verwendet. Doch ohne Konsens unter seinen Mitgliedern läuft Europa Gefahr, gemischte Signale an seine Bürger und die Märkte zu senden. Wenn die EU diese Spaltungen überwindet, wird sie sich den Herausforderungen nicht nur stellen, sondern sie auch in Chancen für Wachstum, Innovation und geopolitischen Einfluss verwandeln. Die Botschaft ist klar: Europas Stärke liegt in der Einheit. Seine Glaubwürdigkeit – und seine Zukunft – hängen davon ab.

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