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Digitale Technologie

Wie können wir die digitale Kluft in Europa überbrücken?

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Von Oliver Rolofs
Effiziente, transparente und bürgerzentrierte Verwaltungssysteme – das ist das Ziel von Smart Governance und wurde im 2022 in Kraft getretenen EU-Daten-Governance-Gesetz verankert, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu steigern. Als wichtige Säule der europäischen Datenstrategie soll diese Verordnung zudem das Vertrauen in den Datenaustausch erhöhen, Mechanismen zur Erhöhung der Datenverfügbarkeit stärken und technische Hürden bei der Wiederverwendung von Daten überwinden. Der gezielte Einsatz digitaler Technologien und innovativer Methoden soll dabei vor allem die Modernisierung von Verwaltungsabläufen vorantreiben und öffentliche Dienstleistungen effizienter gestalten. 

Zwei Jahre nach Inkrafttreten des Data Governance Act vergrößert sich die Kluft in Sachen Digital- und E-Governance in Europa. 

Globale Indizes wie der UN E-Government Development Index (EGDI) verdeutlichen diese signifikanten Unterschiede bei der Implementierung und Nutzung digitaler Verwaltungsdienstleistungen innerhalb und außerhalb Europas. Während Dänemark und Estland laut EGDI 2022 an der Spitze liegen, liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld – nicht gefeit vor weiteren Rückschritten, während andere Weltregionen wie Zentralasien oder die Golfstaaten bei der öffentlichen Bereitstellung digitaler Prozesse rasant aufholen.

Während Länder wie Estland oder Dänemark nahezu alle Behördendienste digital anbieten und mit Initiativen wie der E-Residency oder dem Portal borger.dk international Anerkennung finden, hinkt beispielsweise Deutschland hinterher. 

Obwohl Deutschland lange als Wirtschaftsmotor Europas galt, hat insbesondere die deutsche Verwaltung enorme Schwierigkeiten, die Digitalisierung voranzutreiben. Bürokratische Hürden, langsame Entscheidungsprozesse und eine fragmentierte IT-Infrastruktur sind nur einige der Herausforderungen, die Deutschland zu bewältigen hat. In vielen deutschen Behörden regiert noch immer das Faxgerät, während die Frustration der Bürger über langsame und komplexe Verwaltungsprozesse zunimmt und das Vertrauen in die öffentliche Verwaltung sinkt.

Mangelnde Innovation und Digitalisierung: Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit auf historischem Tiefstand

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Mangelnde wirtschaftliche Innovation, mangelhafte Infrastruktur und ein Digitalisierungsgrad auf Augenhöhe mit Venezuela sind laut dem Internationalen Institut für Management und Entwicklung (IDM) die Hauptgründe für den Verlust der deutschen Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich. Lag Deutschland vor 6 Jahren noch auf Platz 10, wird es 2024 im internationalen Wettbewerbsfähigkeitsranking nur noch auf Platz 24 liegen.

Einzig Dänemark, Irland, die Schweiz und die Niederlande haben es als EU-Mitglieder in die aktuelle Top 10 der globalen Wettbewerbsfähigkeit geschafft, während die übrigen EU-Staaten von aufstrebenden Newcomern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten zunehmend ins Mittelfeld verdrängt werden. Dänemark zeigt mit seiner hochentwickelten digitalen Infrastruktur und der effizienten Digitalisierung von Verwaltungsprozessen, wie sehr die konsequente Umsetzung von Smart Governance auch die globale Wettbewerbsfähigkeit beeinflusst. Doch nicht nur Deutschland, sondern auch andere europäische Mitgliedsstaaten wie Frankreich, Griechenland, Ungarn und Italien können sich in Bereichen wie Smart Governance oder E-Government kaum positionieren. 

Soll der EU Data Governance Act tatsächlich zu einem Wettbewerbstreiber für Europas Wirtschaft und effiziente Verwaltung werden, lohnt sich neben Dänemark auch ein Blick in die Golfregion. 

Europäische „Super-App“?

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind derzeit ein Beispiel, das die Verwaltungen der europäischen Mitgliedsstaaten als wertvolle Fallstudie für die Zukunftssicherheit ihrer Politik nutzen können. Kürzlich wurde im Emirat Abu Dhabi die erste registerbasierte Volkszählung durchgeführt, die einen Bevölkerungszuwachs von 83 % im Jahr 2023 im Vergleich zur letzten Volkszählung vor zehn Jahren ergab. Für die öffentliche Verwaltung des wachsenden Golfemirats lieferten die Ergebnisse wichtige Erkenntnisse für eine künftige intelligente Zuweisung öffentlicher Dienstleistungen wie Bildung, Gesundheit oder Verkehr. Offensichtlich wird eine zuverlässige Datenerhebung Abu Dhabi eine effektive Wirtschaftspolitik ermöglichen, die für viele europäische Länder historisch eine Herausforderung darstellte.

Ein weiterer Weg, auf dem Abu Dhabi, eine technisch versierte und wachsende Gesellschaft, diese moderne E-Government-Infrastrukturumgebung schafft, ist eine benutzerfreundliche und effiziente „Super-App“, die es den Einwohnern ermöglicht, über ein einziges Portal auf öffentliche Dienste zuzugreifen. Die europäischen Mitgliedsstaaten müssen so schnell wie möglich darüber nachdenken, diese Art von App nachzuahmen, um mit der Zeit Schritt zu halten und ihre Versprechen gegenüber den Menschen zu halten.

Europas Weg zur digitalen Souveränität 

Eckpfeiler für ein nachhaltiges Europa müssen daher die gezielte Förderung von Innovation und Unternehmertum, eine europaweit funktionierende Infrastruktur und einheitliche Digitalisierungsstandards sein. Es gibt „hauseigene“ Champions – etwa Estland und Dänemark – und Orte wie Abu Dhabi, die als Fallbeispiel dafür dienen können, wie Smart-Governance-Ansätze wirksam umgesetzt werden können.

Nur mit einer koordinierten europäischen Strategie ist ein Umdenken hin zu einem wettbewerbsfähigen Global Player als Wirtschaftsstandort Europa möglich. 

Die nächste Europäische Kommission muss daher eine entscheidende Rolle bei der Koordinierung und Unterstützung dieser Entwicklungen spielen, um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in ein modernes und effizientes Europa wiederherzustellen. Ein gemeinsamer Ansatz kann Europa helfen, im globalen Wettbewerb um digitale Souveränität und Innovation die Führung zu übernehmen.

Oliver Rolofs ist ein deutscher Experte für strategische Sicherheit und Kommunikation und Mitbegründer der Munich Cyber ​​Security Conference (MCSC).Er ist Direktor des in Wien ansässigen Österreichischen Instituts für Strategische Studien und Internationale Zusammenarbeit (AISSIC) und leitet zudem die in München ansässige Strategieberatung COMMVISORY.

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